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Amos Vogel
Mosaik im
Vertrauen
A 2001, Digi-Beta,
Farbe 60 Minuten
Drehbuch
Egon Humer
Narration Amos Vogel
Kamera Peter
Freiß
Ton Christian Waldl
Regieassistenz & Aufnahmeleitung Susanne
Guggenberger
Schnitt und Produktionsleitung Egon Humer
S-8 Aufnahmen Egon Humer | Susanne Guggenberger
Redaktion
Peter
Zurek ORF/3sat / Karl
Khely ORF Kunst-Stücke
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Wie
könnte der Film beginnen? Mit ein paar Schwarzkadern, beispielsweise,
und der Stimme des Erzählers aus dem Off: "My name is
Amos Vogel. I am 80 years old. I was born in Vienna..." Obwohl
der Film genauso beginnt, wie der Erzähler vorschlägt,
handelt es sich dabei um mehr als eine bloß rhetorische Frage;
sie legt die Arbeitsweise offen. Amos Vogel. Mosaik im Vertrauen
ist ein Film von Egon Humer, sein Erzähler ist der Porträtierte
selbst.
Amos
Vogel, am 18. April 1921 als Sohn assimilierter Juden in Wien geboren,
zählt zu den bedeutendsten Streitern des "Films als subversive
Kunst". 1938 wurde Amos Vogelbaum aus Wien vertrieben. Der
Weg ins Exil führte über Kuba in die Vereinigten Staaten.
1944 nahm Vogelbaum die amerikanische Staatsbürgerschaft an,
1947 ließ er seinen Namen auf Vogel kürzen. Hitler, der
"Anschluß", die Emigration, all das "erscheine
ihm heute vollkommen unglaublich, sagt Amos Vogel im Film. Umso
wichtiger sei es, sich an all l das zu erinnern, sich das tatsächliche
Geschehene zu vergegenwärtigen.
Teile
dieser Geschichte hat Amos Vogel bereits erzählt, nicht zuletzt
in Egon Humers großem Dokumentarfilm EMIGRATION,
NY (1995), der in zwölf Interviews die "Geschichte
einer Vertreibung" rekonstruiert. Amos Vogel. Mosaik im Vertrauen
setzt weniger am historischen Ereignis als an der individuellen
Biografie an, der Film greist um das Wesen der Erinnerung (Humer)
- und zwar im wörtlichen Sinn. Teile des Kommentars wiederholen
sich, um sogleich in eine andere Richtung weiterentwickelt zu werden;
einzelne Bilder kehren, in ganz neuem Zusammenhang wieder; eine
Schriftinsel taucht
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mehrmals
auf: "Eure Ordnung ist ohne Bedeutung, mein Chaos ist bezeichnend."
Dieses
Leitmotiv- es stammt vom amerikanischen Romancier Nathanael West
- findet sich als Motto auch Film as a Subversive Art vorangestellt,
jenem 1974 erschienen Meilenstein unter den Filmbüchern, in
dem Amos Vogel seine radikale persönlichen Seherfahrungen im
Kino zusammenfaßte. Gleich nach dem Krieg, anno 1947, gründete
er in New York das "Cinema 16" die erste und wohl einflußreichste
Institution jenseits des kommerziellen Kinobetriebes in den USA;
nach seiner Schließung 1963 zeichnete Vogel als Mitbegründer
und erster. langjähriger Direktor des überaus renommierten
New York Film Festival.
Dennoch,
so Amos Vogel, die Integration in Amerika sei ihm nicht leicht gefallen.
Seine Muttersprache zu verlieren, war ein traumatisches Erlebnis,
das bis heute nachwirkt: Zeuge der herrschenden Rassensegregation
zu werden, ein anderes.1942 lernt Vogel eine junge Soziologin kennen,
Marcia Diener. Die Hochzeit findet am 6. August 1945 statt. Am selben
Tag fanden in Hiroshima mehr als 60.000 Menschen den Tod. An dieser
Stelle werden Bilder eines wachsenden Atompilzes gegen Bilder der
Hochzeit montiert: sehr dramatisch, ganz lakonisch. Mehr gibt es
nicht zu sagen oder zu zeigen. Der Film ist eine einzige Gratwanderung,
seiner visuellen Textur, die zwischen Video, S-8 Bildern und Archivmaterial
wechselt, assoziiert quasi frei zu der von Amos Vogel geschriebenen
und gesprochenen Off-Erzählung: ein Film über eine Vertreibung,
ein Film über 55 Jahre einer Ehe, ein Film über die Geschichte
des Kinos - alles in einem ( und einiges mehr).
Michael Omasta
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Pressestimmen
Das Wesen der Erinnerung. Egon Humers Porträt des aus Wien emigrierten
Filmtheoretikers Amos Vogel ist ein Film über eine Vertreibung, ein
Film über eine Ehe, ein Film über eine Geschichte des Kinos
– und mehr. Michael Omasta, Der Falter
Humers
Film ist mehr als nur das kleine Porträt eines großen Mannes:
Es zeichnet das Bild einer ganzen Lebenskultur, einer politischen Wachheit
und exemplarischer Cinephilie, ohne dabei die große Traurigkeit
zu vergessen, die der Schuld und dem Gedächtnis der Menschen unserer
Zeit entspringt. Stefan Grissemann, Die Presse
Ein
Mosaik nannte Egon Humer sein „Kunst-Stücke“-Porträt
über Amos Vogel. Vom Abschied handelt es, von Verlust und vom Tod.
Manche Sätze kamen immer wieder, wie ein Refrain, wie Erinnerungen.
Und eine Wand war sein Höhepunkt. Seit Jahren behängt Amos Vogel
sie, seine Wand, mit Fotografien und Texten, schrecklichen und schönen.
Ein Foto von seinem Sohn neben dem von Einstein, ein Foto von einem Araber,
der sein Kind vor israelischen Soldaten schützen will. Sekunden nach
dem Foto war es tot. Daneben ein Zettel: „Sei unbequem. Sei Sand,
nicht Öl in der Maschinerie der Welt.“ So ein schöner
Satz in so einem schönen Film von Egon
Humer, der ganz schön sandig geblieben ist. Veronika Franz,
Kurier
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